Eine einleitende WARNUNG: Bei einer privaten Bewerbung UNBEDINGT
darauf achten, daß man sich an einer "accredited"
Hochschule bewirbt, d.h. an einer Hochschule, deren Abschlüsse
(besonders außerhalb der USA) anerkannt werden. Viele der Unis,
deren Anzeigen man in europäischen populären
(populärwissenschaftlichen) Zeitschriften findet, sind NICHT
"accredited". Zur Referenz kann folgende Publikation
herangezogen werden: Alison Anaya (Hrsg.)
Accredited Institutions of Post-Secondary Education
(jährlich neu). Vgl. dazu auch die Broschüre von Littmann,
siehe Frage
Deutsche Stellen. Einen ganz
schnellen, ersten Überblick über die Accreditation
bietet etwa die Seite
http://ieie.nsc.ru/~eac/fair_97/materials.htm. (Dank für
den Hinweis an Dirk Osterkamp <cip-do at
physik.uni-paderborn.de>.)
Das "Institute of International Education" hat einen Fragebogen entwickelt, der mglw. hilfreich sein kann bei der Anforderung von Bewerbungsunterlagen direkt von einer amerikanischen Uni (siehe auch bei Littmann, Frage Amerikanische Stellen). Siehe auch die Verweise in der Bibliographie.
Wenn man einen irgendwie zustandegekommenen Kontakt zu einer Professorin/einem Professor oder einer Forschungseinrichtung an einer amerikanischen Uni hat, sollte man diesen UNBEDINGT aktivieren und pflegen, besonders dann, wenn man in ein Graduate-Programm will. (Beispiel: Man kennt einen Prof von einem Unibesuch während eines USA-Urlaubs; dieser Prof weiß, welche fachlichen Qualitäten man hat, nachdem man sich ausführlich mit ihm unterhalten hat, und ist auch daran interessiert, einen ausländischen Teaching Assistant (TA) für sein Department zu gewinnen. An diesen Prof hält man sich dann.)
Das Hauptproblem liegt wohl darin, wie die deutschen Noten (so denn welche verteilt werden) auf das amerikanische Notensystem des "Grade Point Average" (GPA) angerechnet werden. (GPAs fangen oben bei 4.0 an, wenn man dauernd "A"s in den Kursen bekommt, und gehen im Prinzip bis 1.0 runter, sind aber nur bis 2.0 akzeptabel.)
Das nächste größere Problem sind die "admission tests", die man i.d.R. bestehen muß, um überhaupt zugelassen zu werden. Fuer Undergrads kann dies der CEEB (College Entrance Examination Board) oder der SAT (Scholastic Aptitude Test)/ACT (American College Test) sein. Für Graduates gibt es den GRE (Graduate Record Examination). Für alle MBA-Bewerber verpflichtend ist der GMAT (Graduate Management Admission Test). Alle diese Tests können in Deutschland absolviert werden und sind unter Umständen recht haarig. Informationen kann man einholen beim Educational Testing Service (URL: <http://www.ets.org/>) oder in den "Barron's Guide to the <GRE/SAT/ACT>" in Unibibliotheken, Amerika-Häusern oder fähigen Buchhandlungen. Diese Tests kosten Geld, wie der TOEFL.
AUSSERDEM braucht man (fast) immer eine genaue Aufstellung der
bisherigen Schul-/Studienleistungen, Sprachzeugnis (siehe oben TOEFL),
Hochschulreifezeugnis, ausführlichen Lebenslauf, zwei, besser
drei Empfehlungsschreiben von deutschen Profs, und nicht zu vergessen
ein "Statement of Purpose", also etwa einen eigenen
Studienplan. Einführende Informationen zum "Statement of
Purpose" und zum "Letter of Recommendation" findet
man z.B. unter
http://ieie.nsc.ru/~eac/fair_97/materials.htm. (Dank für
den Hinweis an Dirk Osterkamp <cip-do at
physik.uni-paderborn.de>.)
Für die Bearbeitung der Bewerbung verlangen die Universitäten außerdem einen gewissen Betrag (25 bis 80 Dollar, evtl. auch mehr). Beachtet bitte, daß auch die vorbereitenden Tests sowie die Visa-Bearbeitung Gebühren kosten, die sich u.U. ganz schön hochsummieren können. Mit evtl. Fahrtkosten zu Bewerbungsgesprächen können da u.U. drei- bis vierstellige Euro-Beträge zusammenkommen.
Ergänzend schreibt Alexander Schömig <schoemig at informatik.uni-wuerzburg.de>:
Im Prinzip muß man sich vom Admissions Office der gewünschten Uni die Unterlagen zur Anmeldung (oder den Antrag auf Erteilung ... usw.) zuschicken lassen und dann ausfüllen. Die größte Schwierigkeit ist es sich Studienleistungen aus Deutschland dort so anrechnen zu lassen, daß das in das GPA-System paßt und man z.B. nach 6 Semestern in D dort als senior (undergrad) aufgenommen wird. Insofern ist die Anmeldung als Abiturient im Wesentlichen einfacher. Habe schon von Leuten gehört, denen in USA entweder gleich ein ganzes Jahr (freshman) oder zumindest einige Kurse (insb. Mathe und Fremdsprache) erlassen wurden. ("Studienzeitverkürzung" ;-) Andere Frage ist, ob die Uni die allgemein üblichen Bewerbertests verlangt. Habe da keine Ahnung, die Grad School Admisson-Tests werden z.T. auch in D veranstaltet. Hier muß man wohl definitiv bei der Uni vor Ort nachfragen, was die wollen. Vielleicht gibt es da auch ein zwischenstaatliches Abkommen ... Nachteil einer Direktbewerbung: Man hat halt kein Stipendium o.a. dabei und muß die oft sehr viel höhere tuition für Ausländer bezahlen. (Die Würzburger Austauschprogramme beeinhalten i.d.R. einen Studiengebührenerlaß oder Stipendien oder ähnliches). Ferner kann man nicht auf Erfahrungswerte ehemaliger Studenten zurückgreifen.
Dem muß noch hinzugefügt werden, daß (besonders in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern) Leute auch durchaus bereits nach dem 6. Semester als Graduate zugelassen werden. Nach allem, was ich höre, kommt das hauptsächlich darauf an, wieviel Erfahrung die amerikanische Uni mit ausländischen Studierenden und deren Zeugnissen gesammelt hat.
Ein sehr guter Einblick von Ralph Becker-Szendy (Stanford University):
Hier muß erwähnt werden, daß Graduate Students in den harten Wissenschaften (z.B. Physik, Informatik) oft Stipendien bekommen, wenn sie hauptsächlich Forschung betreiben (ähnlich wie in Deutschland, wo Diplomanden und Doktoranden in den harten Wissenschaften meist irgendwie bezahlt werden). Das gilt natürlich nur, wenn man keine Vorlesungen mehr hört, sondern Forschung betreibt.
Dazu muß auch noch gesagt werden, daß man bei solchen Dingen manchmal mit der Uni handeln kann. Wenn man echt ein Top-Student ist, wird die Uni oft versuchen, einen mit finanziellen Mitteln an Land zu ziehen. Das geht vor allem bei kleineren Unis, die nicht so bürokratisch sind, und wo der "Department Chair" oder "Dean of Admissions" etwas Entscheidungs-Spielraum hat. Wenn man sich sicher ist, daß man ein begehrenswerter Student ist, kann es sich lohnen, darauf hinzuweisen, daß man ohne finanzielles Zutun der Uni (z.B. durch RA/TA Job) nicht in die USA gehen kann.
Wenn ihr Zugang habt, versucht die ständig laufende Diskussion in soc.college.grad/gradinfo/admissions über "admission requirements", GRE/SAT-Punkte usw. usf. zu verfolgen. Dort sitzen sehr gut informierte Leute.
Erfahrungsberichte:
<fritsch at fsinfo.cs.uni-sb.de>
gibt es im WWW einen
Erfahrungsbericht über die Bewerbung, und darüber hinaus
auch das Studium und das Leben an der University of Missouri, Columbia,
in Tagebuchform. URL:
<http://fsinfo.cs.uni-sb.de/~fritsch/usa/>, mit
weiteren Links zu ähnlichen Berichten.
Die Webseite <http://www.petersons.com/graduate/international.html> enthält einige kurze, allgemein gehaltene Hinweise zur Bewerbung an Graduate Schools speziell für internationale Studenten. Die Seite <http://www.gettingintogradschool.com> führt unter der Überschrift "Getting In: An Applicant's Guide to Graduate School Admissions" weitere Links für internationale Studenten auf. (Siehe auch Frage Was ist eigentlich der Unterschied zwischen "Graduate" und "Undergraduate"?.)